Idyll im Verborgenen: Der Sallenbrunnen

Kommt ein Wanderer über den Hauptweg von Weingarten her in die Sallenbusch-Siedlung, wende er sich in der Kurve nicht nach links zu den Häusern, sondern gehe er weiter geradeaus bis zur zweiten Abbiegung auf der rechten Seite. Diesem Weg folge er, dann trifft er alsbald auf einen Brunnen. Es ist der „Sallenbrunnen“ und gilt als Wahrzeichen der Siedlung Sallenbusch. Pfarrer Albert Nikolaus schreibt im „Heimatbuch“: „Er spendet seine köstliche Gabe das ganze Jahr hindurch in reichlichem Maße den Feldarbeitern, die aus weitem Umreis in heißen Sommertagen hierher kommen, um im Schatten der großen Bäume ihren Durst zu stillen.“

Der Brunnentrog ist  lediglich ein schlichter viereckiger Trog. Umso auffälliger dagegen ist der Stein. Achteckig geformt und mit Zapflöchern versehen, lässt er auf eine frühere andere Bestimmung schließen. In der Tat: Der Brunnenstein ist ein Teil des ehemaligen Galgens, der sich, nach Aussage von Wilhelm Kelch in den „Heimatblättern“, im 18. Jahrhundert von Weingarten aus gesehen an der Bundesstraße kurz vor der Ungeheuerklamm befunden habe. Der 1935 verstorbene Heimatdichter und damalige Hauptlehrer in Weingarten, Friedrich Wentz, schreibt hierzu in seinem Gedicht „Am Galgenberg“: „Dahin. – Nichts mehr erinnert an den Galgen. Zum Sallenbuschquell man die Quader trug. Zu einer Scheune holte man die Balken, und über jene Stelle fährt ein Pflug.“ Roland Felleisen vom Bürger- und Heimatverein bestätigt die Aussage Wentz, dass es sich bei diesem achteckigen Stein um einen Teil des ehemaligen Galgensockels handelte. Offenbar wurde kurzerhand ein Loch hindurchgebohrt und mit einem Metallrohr das Wasser aus dem Erdreich der Böschung aufgefangen. Ein weiterer Teil befindet sich nach Aussage Felleisens im Turm-Museum des Vereins, ein dritter Teil in einem Privathaus in der Bruchsaler Straße. Die gesamte Anlage ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Aber als Durstlöscher eignet sich der Brunnen heute offensichtlich nicht mehr. Bereits im Jahr 2002 schreibt Max Barth in der Festschrift „50 Jahre Sallenbusch“, vor einiger Zeit bereits hätten die Behörden zu viel Nitrat im Wasser festgestellt. Nun weist ein Schild darauf hin: Kein Trinkwasser. Heute tröpfelt der Brunnen lediglich noch.

Auf Nachfrage von Gemeinderat Fritz Küntzle in öffentlicher Sitzung am 3. April, warum das Wasser nicht mehr sprudle, obwohl die „Brunnenstube“ voll sei, erhielt er die Antwort, vermutlich sei das uralte Rohr im Inneren der Böschung gebrochen, so dass kaum noch Wasser nach außen geführt werde. Nach Aussage von Ortsbaumeister Leucht werden die Kosten einer  Reparatur ermittelt, dann werde weiter entschieden. Bürgermeister Eric Bänziger würde ihn als touristischen Anziehungspunkt gern wieder fließen sehen.

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