Die Amphibienwanderung hat begonnen

Eine Woche nach dem kalendarischen Winterbeginn, rief Kreisökologe Hans-Martin Flinspach bei der Straßenmeisterei an und bat, den Amphibienzaun an einigen Abschnitten der Bundesstraße zwischen Grötzingen und Weingarten wieder aufzustellen. Einen Tag später stand der Zaun und am Abend des 30. Dezember 2017 entdeckte Flinspach die ersten vier Tiere. Caroline von Dahl hat die Koordination der Helfer von der verstorbenen Ingrid Husen übernommen und hatte am 3. Januar Dienst. Sie zählte bereits 120 Tiere: Die Wanderung der Gras- und Springfrösche von den Bergwäldern ins Laichgebiet im Weingartner Moor hatte begonnen.

Bis zur vorigen Woche wurden rund 400 Tiere gesichtet und gerettet. Bei warmem und feuchtem Wetter werden es täglich mehr. Sollten jetzt noch frostige Nächte kommen, meint Flinspach, sei das für die Tiere zwar unproblematisch, soweit sie sich ins Erdreich einbuddeln könnten, aber einen Energieverlust bedeute es in jedem Fall, was vor allem schwächeren Tieren zu schaffen mache.

Seit vielen Jahren sind Helfer im Einsatz, die Tiere an den Zäunen einzusammeln und in Eimern über die Straße zu tragen. Der Arbeitsaufwand lohnt sich, denn mit 15- bis 20 000 Stück sei die Population des Springfroschs seit einigen Jahren stabil und zähle zu einer der größten in Baden-Württemberg. Der Bau von festen Leiteinrichtungen  an längeren Abschnitten der Bundesstraße, sei vor allem für die Jungtiere auf dem Rückweg vom Laichgebiet ins Sommerhabitat ein Segen. Denn die maximal daumennagelgroßen Tierchen könnten unmöglich von Hand eingefangen werden, schon gar nicht, wenn sie in Massen auftreten. „Diese Einrichtungen (die jüngsten Abschnitte wurden 2016 fertiggestellt) haben unsere Arbeit zwar sehr erleichtert“, berichtet Flinspach, „aber nicht überflüssig gemacht“. Immer noch seien Abschnitte offen, an denen der Bau an den Grundstückseigentümern gescheitert sei und außerdem müssten auch diese Betonstrecken gepflegt und kontrolliert werden. Es sei zu verhindern, dass die Vegetation die Durchlässe verdecke oder – schlimmer noch – Mülltüten die Schächte verstopfen und somit funktionslos machen. Von einem schier unglaublichen Müllaufkommen berichtet der Experte im Bereich des Parkplatzes gegenüber dem Weingartner Moor. Rund 20 Helfer stehen Flinspach zur Seite, die in zwei Schichten täglich die Strecke abgehen. Weitere Helfer wären hoch willkommen. Wer interessiert sei, könne sich bei ihm unter der Telefonnummer (07244) 5327 oder bei der Ansprechpartnerin Caroline von Dahl unter der Nummer (07244) 7422520 melden.

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