Waldbegehung des Gemeinderates

Die jüngste Begehung führte den Gemeinderat durch den Niederwald, berührte Stafforter Gemarkung und schlug einen großen Bogen über den nördlichen und den westlichen Pfinzschlag zurück.

Hackschnitzelanlage

Nach der Begrüßung der anwesenden Gemeinderäte und interessierten Bürgerinnen und Bürger durch Bürgermeisterstellvertreter Matthias Görner gab Förster Michael Schmitt vorab einige Erklärungen zur Hackschnitzelanlage, bevor es ins Gelände ging. Das Material stammt aus dem Weingartener Wald und stellt nicht mehr verkäufliche Reste dar (Kronenmaterial, Schwachholz oder kranke Stämme, die aufgrund der Vekehrssicherungspflicht entfernt werden mussten). Ein Festmeter ergibt eine Menge von 2,4 Schüttraummeter (SRM). Der Forst verkaufe die Hackschnitzel an die Gemeinde, die damit zwei Anlagen betreibe. Diese Hackschnitzel erreichen einen Trocknungsgrad von unter 20 %, wodurch sie besonders ergiebig seien, bei gekauften liege dieser Wert unter 50 %. Die Ersparnis an Heizöl betrage jährlich 200 000 Liter. Auf Frage von Fritz Küntzle meinte Schmitt, auch „mittendrin leben“ könne davon noch mitversorgt werden.

 

Auswirkungen der Waldwirtschaft auf den Insektenrückgang

In einem Exkurs erläuterte  Bernd Schneble, der Leiter des Forstbezirks Ost, die Auswirkungen der Waldwirtschaft auf den Artenrückgang an zwei Beispielen. Um 1855 habe der Vogelbestand noch 255 Arten aufgewiesen. Davon seien 11 ausgestorben, 68 gefährdet und 10 dazugekommen. Die Population der gezählten Lebewesen Vögel dagegen sei um 44 Prozent zurückgegangen, wobei nur vier Arten Waldvögel betroffen seien (Auerhahn, Haselhuhn, Weißrückenspecht und Dreizehenspecht).  Andererseits zeigen 77 Brutvogelarten in Deutschland eine Häufigkeitszunahme. Anders verhalte es sich bei Insekten. Von 174 Arten in 1900 seien 44 % gefährdet und die Menge der Lebewesen um 65 % zurückgegangen. Das sei ein dramatischer Rückgang, aber nicht durch die Waldwirtschaft verursacht. Eine Ursache hierfür sehe er in der zunehmenden Verbuschung offener Flächen, die wärmeliebenden Tieren (Insekten) immer weniger Lebensraum lasse und damit auch negativ auf die Nahrungskette auswirke, indem Vögel keine Nahrung mehr finden:  „Die Probleme der Arten liegen nicht im Wald sondern in den freien Flächen“.

 

Eschentriebsterben und Neuaufforstung

Das Eschentriebsterben ist nicht einzudämmen. Der aggressive Pilz lässt bereits 40jährige Bäume zugrunde gehen. Ist nichts mehr zu retten, so lässt Förster Michael Schmitt betroffene Flächen blockweise räumen, einzäunen und mit anderen Sorten bepflanzen. Unter Berücksichtigung des in 2019 zu erwartenden Maikäferflugs werden die Flächen in 2018 nur vorbereitet und mit Pflanzung erst begonnen, wenn keine gefräßigen Larven mehr im Boden sind. Unterwegs zeigte er Hinweise auf die explodierende Wildschweinpopulation: eine deutliche Fährte über einen Graben und einen auf der Suche nach Engerlingen ausgegrabenen Wurzelstock. Die vielen Stämme, die noch im Wald liegen, erklärte Schmitt mit der Unmöglichkeiten, bei diesem nassen Wetter Rückearbeiten zu tätigen. Sturm und Regen hätten acht Wochen Rückstand verursacht.

 

Pappelholz ist schnellwüchsig und gut verkäuflich

Drei dicke Pappelstämme, zum Verkauf gefällt, wiesen einen gerade noch möglichen Stammdurchmesser von 60 Zentimeter auf. Dickere Stämme seien für Sägewerker schwierig zu schneiden, erklärte Schmitt, und darum schwer verkäuflich: „Nicht jeder dicke Baum ist wertvoll“. Man müsse unter den gegebenen Klimarahmenbedingungen abschätzen können, wann der wirtschaftliche Kulimantionspunkt bei 60 cm Dicke erreicht sei. Das gelte auch für Fichte, Douglasie und andere Baumarten. Investitionen in die Wertholzproduktion seien aufwendig und zahlen sich nur langfristig aus. Am Beispiel eines Roteichenstamms zeigte er, dass dieser die letzten 25 Jahre nicht mehr gewachsen sei. Der Baum habe an der Landesstraße nach Blankenloch gestanden, wurde in der Jugend nicht gefördert,  konnte keine große Krone entwickeln. 1991 habe ihn von der Wurzel aus ein Pilz befallen, danach sei es nicht mehr vorwärts gegangen. Er schätze Pappelholz, denn es sei sehr schnellwüchsig und es gebe eine breite Branche im Verpackungs- und Verschalungsbereich. Eine Pappel sei nach 40 bis 50 Jahren hiebreif, eine Eiche erst nach 150 Jahren. Höherwertiges Pappelholz bringt bis zu 52 €/FM.  Auf einer weiteren ehemaligen Kahlfläche zeigte Schmitt einen dreijährigen Douglasienbestand, der sich prächtig entwickelt habe. Sein Ziel sei, den bisherigen Anteil von Douglasien von insgesamt 13 Prozent der Waldfläche auf 15 Prozent zu erhöhen. Auf Nachfrage von Matthias Görner nach dem Stand der Ersatzaufforstungsflächen berichtete Schmitt, er habe das erforderliche Kontingent noch nicht beisammen. Auf einem etwas trockeneren Standort habe er zu der vorhandenen Naturverjüngung Stieleichen gepflanzt. Hier ergänzte Schneble lobend, Schmitt habe in den letzten drei Jahren insgesamt 60.000 Bäume gepflanzt, das sei ein Riesenarbeitspensum. Der Bestand teile sich auf in ein Drittel Stieleiche, ein Drittel Douglasie und etwa 13 Prozent anderes. Dabei achte er auf eine breite Palette, die auch Besonderheiten wie Fichte Ahorn, Lärche, Rotbuche, Kirsche und Schwarznuss enthalte. Die Naturverjüngung käme zu diesem Bestand noch dazu.  In zehn Jahren, sagte Schneble, werde die Buche die Hauptbaumart aus der Naturverjüngung sein.  Eiche verkaufe sich derzeit sehr gut, Preis und Nachfrage seien steigend. Entscheidend sei die Mindestdicke eines geschälten Stamms: ohne Rinde gemessen liege ein Stamm zwischen 35 und 39 cm Durchmesser bei 200 € / FM,  zwischen 40 und 43 cm Dicke schon bei 320 €. Darum werden Stämme gegebenenfalls auch in Teilabschnitten verkauft.

 

Rückegassen schonen den Waldboden

Angesichts einer ziemlich schlammigen Rückegasse erklärte Bernd Schneble, der Leiter des Forstbezirks Ost, das vor Jahren eingeführte qualitätszertifizierte und Boden schonende System der Rückegassen. In Abständen von 40 Meter werde eine solche Gasse ausgewiesen, auf die ein Rückefahrzeug fahren könne. Was außerhalb dieses Bereichs liege, müsse mit Seilwinde herangeschafft werden. 80 % der Holzmasse werde motormanuell geschlagen und per Seilwinde gezogen, nur 20 % mit dem Harvester. Werden die Gassen nicht mehr befahren, regeneriere sich der Boden von selbst und in der Zwischenzeit siedeln sich in den tiefen Furchen Gelbbauchunken an. 

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