Großer Konzertabend im Turmzimmer

Wenn Reinhold Friedrich in seinem Heimatort ein Konzert gibt, ist das jedes Mal etwas ganz Besonderes. Sehr viel mehr noch, wenn er Gäste mitbringt, die er zum ersten Mal auf die große Bühne bittet, sei es auch nur im kleinen Turmzimmer. Dann gerät ein Musikabend zum ganz großen Ereignis. Über den „Spanischen Abend“, ein Sonderkonzert der Weingartner Musiktage,  das letzten Samstag im Turmzimmer  aufgeführt wurde,  berichtete Jasmina Schebesta in den Badischen Neuesten Nachrichten:

Das versteckte Turmzimmer im Weingartner Rathaus erwärmt die Besucher mit dem Sonderkonzert der „Weingartner Musiktage junger Künstler“: Mit einem „Spanischen Abend“, konzertant aufgeführt von Festivalgründer Reinhold Friedrich (Trompete), dessen Schüler Andrea Mirado Guerrero (Trompete) und Erika Takezawa (Klavier). Eröffnet wird der Abend mit einem kurzen Stück „im Stile von Albéniz für Trompete und Klavier“ (Rodion Schtschedrin). Sofort stellt der pointiert-fordernde und zugleich im Ansatz samtweiche Trompetenklang von Reinhold Friedrich klar, dass der dieser Musiker an diesem Abend nach höheren Zielen als schnöder Anerkennung strebt. Sobald Friedrich die zierliche Bühne einnimmt, beherrscht er diese auch. Sein Spiel entlockt der landläufig als vornehmlich laut und durchdringend gekennzeichneten Trompete eine nahezu stimmenhafte Weichheit. Sein farbenfrohes Klangspektrum lässt vergessen, dass im Turmzimmer nur wenige Meter zwischen Publikum und Bühne liegen.

Eriko Takezawa am Klavier setzt den Trompetenklängen reife Tonfolgen und inbrünstiges Spiel entgegen. Das erste Zusammenspiel der beiden lässt die vage Vorfreude der Überzeugung weichen, dass der Plan, Musik ganz nah zu erleben, gelingen wird. Das Eingangs-Stück von Schtschedrin ist wunderbar tänzerisch komponiert, was das Duo mit dem nötigen Druck umsetzt. Sofort tauchen vor dem inneren Auge die Erinnerungen an spanische Tänze auf, ein gelungener Auftakt. Weniger eingängig, doch ebenso empathisch sind die Interpretationen von Maurice Ravels „Piece en forme de Habanera pour trompette et piano“ und die „Sonatine für Klavier“. Letzte bietet die erste von zwei Gelegenheiten des Abends, die Pianistin Eriko Takezawa auch solistisch in Aktion zu erleben. Hier kann sie ihren feinen Sinn für die leisen Töne unter Beweis stelle, im Zusammenspiel mit den Blechbläsern bilden diese stets den passenden Gegenpol. Später folgt ihre Interpretation von Maurice Moszkowskis „Chanson Bohème de l’opéra ‚Carmen‘ – für Klavier“. Hier bringt sie die Melodie der bekannten Oper emotional dicht und souverän hervor, zudem spielt sie differenziert und nunancenreich, was das Auditorium mit begeisterten Ovationen goutiert.

Heimlich neidloser Star des Abends ist jedoch Friedrichs Schützling, Andrea Mirado Guerrera, die derzeit noch an der Karlsruher Musikhochschule studiert. Sie lässt die reifen Leistungen des Duos Friedrich/Takezawa etwas in den Hintergrund treten. Gute Intonation, exakte Triller, sauberer Ansatz, das passt. So schließt sich der Kreis zum Projektziel des später im Jahr stattfindenden Festivals – schließlich hat es sich auf die Fahnen geschrieben, gerade den jungen Aspiranten ein Podium zu bieten, um wichtige Konzerterfahrungen zusammeln. Für das Sonderkonzert passend ist der Auftritt der Spanierin in signalrotem Einteiler mit dem ebenso um Aufmerksamkeit heischenden, hochpolierten Instrument. Der Charme der hübschen Spanierin wirkt entwaffnend. Eine Reaktion, derer Andrea Mirado Guerrero jedoch keineswegs bedarf, kann sie doch durch ihr musikalisches Können überzeugen. Wahlweise setzt sie Trompete oder Flügelhorn an und interpretiert technisch überzeugend, gleich, ob „Piezas Andaluzas para trompeta y piano“ von Santiago Báez Cervantes oder fünf der „Siete cancione populres espanolas“ von Manuel de Falla, in Bearbeitung für Trompete und Klavier. Einziges Manko bleibt die Kürze der Stücke. Denn im Publikum besteht der Wunsch,dem Spiel der jungen Musikerin noch etwas länger folgen zu können. Es dauert bis zur überschwänglich-überhitzten Zugabe, bis alle drei Musiker gemeinsam die Bühne beanspruchen. Unter dem stolzen Blick der erfahrenen Lehrkräfte kann sich die junge Debütantin endlich länger ihrem emotionalen wie exakten Spiel hingeben.

Mit diesem Konzert sind für Andrea Mirado Guerrero die ersten Schritte in ein erfolgreiches Konzertleben getan. Einmal mehr konnten die Weingartner Musiktage ihren entscheidenden Beitrag zu einem gelungenen Karrierestart junger Künstler leisten. Das Publikum zeigt sich hochzufrieden.

(Text und Foto:  Jasmina Schebesta)

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