Fronleichnam – ein Fest des Zusammenwirkens

Der Blumenteppich

Alle Befürchtungen, es seien auch in diesem Jahr, wie schon in der Vergangenheit, nicht genügend Blumenspenden für den Fronleichnamsteppich zu bekommen, hatten sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: erstmals wieder seit mehreren Jahren reichte er tatsächlich vom Haupteingang der katholischen Pfarrkirche durch die gesamte Kirchstraße bis zur Bundesstraße. Vielfarbig und prächtig erstreckte sich das Werk, das viele Hände in gemeinschaftlichem Tun in der Frühe mit großer Sorgfalt und Akkuratesse geschaffen hatten. „Jesus, wo wohnst Du? – Kommt und sehr“ lautete das Hauptmotiv, das Pfarrer Jens Maierhof in seiner Predigt auf dem Rathausplatz aufgriff und schließlich die Antwort daraus herleitete, Jesus habe keinen festen Platz. Nicht in der Kirche, nicht im Tabernakel und auch sonst nirgendwo. Er sei vielmehr in der Gestalt des Brotes, das in der Prozession durch die Straßen getragen werde, mitten unter uns.

 

Interview mit Pfarrer Jens Maierhof

Für den Leiter der Katholischen Kirchengemeinde Stutensee-Weingarten liegt „die Faszination der Prozession darin, die Kirchengemäuer zu verlassen und den Ort und den eigenen Lebensraum mal anders wahrzunehmen. Mit Jesus als einer Art Sehhilfe, mit ihm in der Gestalt des Heiligen Brotes durchschreiten wir die Straßen unserer Gemeinde.“ Zum Blumenteppich meint er, natürlich könne man sich fragen: Lohnt sich der ganze Aufwand? Aber religiöse Menschen hätten ein Faible dafür, nicht immer nach dem Nutzen zu fragen, sondern oft stehe anderes im Mittelpunkt. Das gelte auch für den Blumenteppich an Fronleichnam. Da sei die Erfahrung wichtig, gemeinsam an einem großen Ganzen mitzuwirken und beteiligt zu sein – angefangen vom Blumensammeln und – zupfen bis zum künstlerischen Gestalten in den frühen Morgenstunden – das verbindet und das geht nun mal nicht allein. Auf die Frage, wo er die Prozession in zehn oder 20 Jahren sehe, antwortete er:  „Ich denke, unsere Hauptaufgabe ist, sensibel dafür zu sein, welche Zeichen in 10 oder 20 Jahren eine (Überzeugungs-) Kraft in sich tragen. „Weil’s schon immer so war“ oder „Weil’s einfach dazu gehört“, darf nie leitend für unser Tun als Christen sein. Gleichzeitig warne ich aber auch davor, Bewährtes und Gewohntes leichtfertig über Bord zu werfen. Mein „Trend“, mein innerlicher Kompass ist allein der Glaube an Jesus Christus. Mir tut es gut, sich an Fronleichnam in großer Gemeinschaft daran erinnern zu lassen.“ So sieht es auch Pfarrgemeinderätin Heidrun Strieder:  „Der Blumenteppich ist wie eine Demonstration, dass viele Hände gerne zusammen helfe und jeder dabei so viel tut wie er kann.“

 

Die musikalische Begleitung

Seit Jahrzehnten ist der Musikverein von diesem Fest nicht mehr wegzudenken. Er übernimmt die musikalische Gestaltung im Gottesdienst: vom feierlichen Einzug des Priester und der Ministranten über die Liedbegleitung der Gemeinde, da auf dem Rathausplatz die Orgel fehlt. Er begleitet als fester Marschkörper die Prozession und spielt nicht zuletzt zu einem Platzkonzert auf.

 

Der ökumenische Beitrag

Der „Fronleichnamshock“, zu dem die Kolpingfamilie seit Jahren einlädt, hieß zu Anfang „Kirchplatzhock“. Es ist ein geselliges Beisammensein bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Maultaschen oder Würstchen und Kartoffelsalat. Als aber ein, zwei Jahre nadas Wetter mehr als kritisch aussah, entschloss sich Kolping, das Treffen zu verlegen. Welcher Platz bot sich dafür an? Nahe gelegen und gut erreichbar, damit nicht nach dem Gottesdienst alles auseinanderläuft? Das evangelische Gemeindehaus. Und so schließt sich der Kreis der Ökumene, der mit der Lagerung der Blüten im Keller des evangelischen Pfarrhauses begonnen hatte.

 

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