Violine und Klavier – ein brillantes Konzert im klassischen Stil

In ihrer Reihe „New Talent“ beweisen die Organisatoren der „Weingartner Musiktage“ ja meist ein Goldhändchen. Dieses Mal ganz besonders. Er sei „dankbar, solche Momente erleben zu dürfen“, sagte Stefan Burkhardt, Vorsitzender der „Weingartner Musiktage“, zum Publikum zu Beginn des Konzerts und der prasselnde Applaus am Ende bestätigten seine Worte. Elin Kolev an der Violine und Fil Liotis am Klavier begeisterten im Festsaal des „Goldenen Löwen“ mit einem Konzert allererster Sahne. Es begann mit der Sonate in A-Dur von César Franck in vier Sätzen. Unendlich behutsam, zärtlich und ergreifend erklangen die ersten Töne, richtungsweisend für die enorme emotionale Kraft der folgenden Musikstücke und die Ausdrucksstärke der Vortragenden. Elin Kolev, 1996 geboren in Zwickau, gab bereits als Siebenjähriger sein erstes Konzert mit Orchester, begann in 2010 ein Musikstudium in Karlsruhe, steht jetzt kurz vor dem Abschlussexamen und hat bereits internationale Erfahrungen. Der Grieche Fil Liotis, 1984 geboren, studierte ebenfalls in Karlsruhe Klavier solo und hat seit 2016 dort einen Lehrauftrag. Auch er ist seit Jahren international bekannt. Mit einem bewegenden Seufzer der Violine endete der erste Satz in Allegretto ben moderato. Das insgesamt sehr farbenreiche Stück César Francks brachte viele Variationen in Tempo und Temperament, Passagen in zartestem Pianissimo wechselten mit wilden Fontänen exaltierten Spiels, stark aber niemals schrill. Es folgte Johannes Brahms mit dem Scherzo für Violine und Klavier in c-Moll und danach eine Sonate in f-Moll von George Enescu. Eine völlig veränderte Klangfarbe schuf nun eine etwas düstere Atmosphäre, die sich in den beiden ersten Sätzen zu dramatischer Spannung entwickelte und erst im dritten Satz in einem furiosen Finale auflöste. Emotionaler und positiver Höhepunkt des Konzerts war Henryk Wieniawskis „Polonaise de Concert Opus 4 in D-Dur“. Sind Stücke in der Tonart Dur ganz allgemein wesentlich freundlicher, so war dieses jetzt bemerkenswert in Spielfreude und nahezu übermütiger Ausgelassenheit. Der Komponist konnte den slawischen Einfluss seiner polnischen Heimat überzeugend vermitteln. Weg mit dem Notenständer, er wurde nicht mehr gebraucht. Jetzt regierten bei den beiden Künstlern pure Lust und Freude an dem schnellen, tänzerischen Stück. Die Zuhörer, die nach jedem Stück sehr gerne Beifall spendeten, waren hingerissen vor Begeisterung und noch mehr, als dieses Stück – jetzt „auf polnische Art“ – noch zu einer zweiten Zugabe gereicht wurde. Das Konzert wurde vom SWR2 aufgezeichnet und ist am 11. Dezember ab 13.05 Uhr zu hören.

 

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