Des Kaisers neue Kleider Figurentheater „Himmelreicher“ gastierte in der Bibliothek

„Was ist das für ein Plunder? Samt! Und grün! Ich wollte doch Brokat und rot! Ich bin so unglücklich. Nie bekomme ich, was ich will!“ Dabei hat der Kaiser Dutzende von Schränken voller Kleider und 595 Paar Schuhe, aber keines passt. Das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen hat das „Figurentheater Himmelreicher“ neu erzählt und in der Weingartner Gemeindebibliothek gezeigt. Das Besondere an ihrem Spiel war die Verbindung von Spieler und Puppe, die miteinander in Dialog traten. Dabei legten die beiden Akteure Seppel Streit und Heike Schäfer erstklassige Schauspielkunst  an den Tag. Egal welche Figur, ob der nörgelige Kaiser, der heimtückische Minister, die Maus Hänschen, des Kaisers Tochter „Täubchen“ oder der Hofnarr: Jede wurde mit Stimme und Charakter ausgestattet und so authentisch dargestellt. 

Der Kaiser glaubt, er könne nur kaiserlich auftreten, wenn er stündlich seine Kleider wechselt. Die Schneider verschlingen Unsummen von Gold, seine Staatsfinanzen schwinden, aber er fühlt sich „gerupft wie eine Gans“. Von Selbsterkenntnis oder gar Unrechtsbewusstsein keine Rede. Im Gegenteil, er fühlt sich von allen Seiten schlecht behandelt. Nur der Minister, trefflich dargestellt in graugrüner Gesichtsfarbe, versteht ihn. Und somit geht der leichtgläubige Kaiser dem Bösewicht auf den Leim und verspricht ihm seine Tochter zur Frau. Aber da gerät er an die Falsche. Denn die sehr passend und einfühlsam gestaltete Puppe, lustig, lebensfroh und selbstbewusst, ist damit überhaupt nicht einverstanden. Die starke Profilierung der Charaktere macht das Stück schon für Vierjährige nachvollziehbar und spannend. Zusammen mit dem Hofnarr heckt das Töchterchen eine List aus, die den „Papa Kaiser“ zur Vernunft bringen soll. Der Kaiser ist entzückt, als der Hofnarr ihm „Zauberkleider“ verspricht, die „nur derjenige sehen kann, der klug ist und seines Amtes würdig.“ Natürlich ist der Kaiser von diesen neuen Kleidern – die es bekanntermaßen gar nicht gibt - begeistert, denn er kann ja schlecht zugeben, dass er sie gar nicht sieht. Er präsentiert sich sogar seinem Volk. Und obwohl das Volk ihm durchaus „Unterhosen“ bescheinigt, glaubt der Kaiser bis zuletzt, alle anderen sind dumm, nur er nicht. Für dieses Mal ist er mit seinen Kleidern zufrieden. Das Figurentheater „Himmelreicher“ kommt aus Karlsbad und hat sich 1982 gegründet. Anspruchsvolle Unterhaltung, eine altersgerechte Sprache und aufwändig gestaltete Figuren machen einen Besuch der Aufführungen zu einem echten Erlebnis. 

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