Totholz als Heimat vieler Arten

Das meiste Leben spielt sich an alten kränkelnden oder dürren stehenden Waldbäumen ab. Aber auch liegendes Totholz hat wichtige Aufgaben im Naturkreislauf zu erfüllen.

Ein vor vielen Jahren nach Sturmwurf bewußt liegen gelassener Baum beherbergt heute zahlreiche Moose, Pilze, Flechten und Insekten.

Totholz liegende 

 

Aber auch Kronenmaterial und Äste die wir aktiv an einer Stelle zusammentragen oder mit                Forstmaschinen aufgesetzte haben, ergeben Lebensräume für vielerlei Arten.

Totholz

Totholz Heuberg

 

Erst bei genauer Betrachtung sieht man wieviel Leben auf so einem toten Stück Holz eigentlich ist.

Totholz Pilze

Totholz liegende2 Pilze

 

Totholz V-8

Unter diesen alten Ästen und Stämmen finden unzählige Tiere Schutz. Auf den Stämmen wachsen die unterschiedlichsten Moosarten.

 

An dieser Buche ist nach einem Sturm die Krone abgebrochen. Ein idealer Lebensraum für die nächsten Jahre, denn an stehendem "Totholz" kommen andere und meist mehr Arten vor als an auf dem Waldboden liegendem Holz.

Buche abgebrochen V_9

Nach einer Baumfällung wurden an diesen Eichenabschnitten Ausbohrlöcher eines Insekts, dem "Heldbock" festgestellt. Da vermutet wurde es könnten sich noch weitere Insekten dieser seltenen Art im Stamm befinden, wurden diese Stämme an einem sonnigen Waldort aufgestellt. Damit können sich die vermutlich noch darin lebenden Insekten fertig entwickeln. Denn der Heldbock lebt bis zu fünf Jahren in Eichenhölzern und oftmals sind es mehrere Generationen die "unter einem Dach" leben.

Eichenstücke Heldbock

Unser größter heimischer Käfer, der Heldbock, auch genannt großer Eichenbock.

 

4Heldbock V_8

Heldbock V_82Heldbock V_8

Heldbock2

Dieser Käfer ist braun/schwarz und wird ca. 5cm lang. Die weiblichen Heldböcke haben eine Fühlerlänge die ungefähr ihrer Körperlänge entspricht, bei den männlichen kann dies schon einmal das doppelte sein. Die Käfer leben als Larve durchschnittlich vier Jahre im Holz und zwar ausschließlich in Eichen. Ihr Leben als erwachsener Käfer ist sehr kurz und nur bestimmt von Fortpflanzung und der Eiablage an meist besonnten starken Eichen. Die aus den Eier schlüpfenden Larven bohren sich in das Holz ein und der Zyklus beginnt von vorne. Der Heldbock ist streng geschützt, da er wärmeliebend ist sind es vorallem die im Oberrheintal gelegenen Wälder mit entsprechenden Eichenanteilen die wichtig für ihn sind. Für den Nachwuchs der Eichen sorgt allein die Forstwirtschaft. Dann was bringt es wenn allein nur die alten Eichen geschützt werden und diese selbst nicht mehr gefällt werden dürfen. Entscheidend ist das auch noch in den nächsten Generationen Eichen vorhanden sind. Hier spielt die nachhaltige Forstwirtschaft die in den letzten 300 Jahre auch zum Vorkommen dieser alten starken Eichen beigetragen hat eine große Rolle. Auch im Gemeinde Wald Weingarten sind wir nachfolgenden Generationen verpflichtet.

Beispiel: Allein in den letzten fünf Jahren sind über 40.000 ! Eichen im Forstrevier Weingarten angepflanzt worden.

Hier sehen Sie die Ausbohrlöcher fertig entwickelter Heldböcke. Diese können am Ende Ihrer Entwicklung durchaus einen Durchmesser von bis zu 4cm erreichen. In diesen kleinen Höhlen leben auch gerne andere Insekten bis hin zu kleinen Fledermausarten.

Heldbock Spuren

 

Viele Kilometer öffentliche Straßen durchziehen den Gemeindewald Weingarten. So musste aus Gründen der Verkehrssicherung eine kränkelnde vom Heldbock besiedelte Stieleiche, die direkt an der Autobahn A5 Fahrtrichtung Karlsruhe stand, gekappt werden. Die teilweise schon dürre Krone wurde soweit zurück genommen bis keine Gefahr mehr für den Starßenverkehr bestand. Diese Kappung wurde in Absprache mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe durchgeführt.

Vorher:

1 Heldbockeiche

Nachher:

2 Heldbockeiche

 

Der Buchenbock

Hat Ähnlichkeit mit dem oben beschriebenen Eichenbock, ist aber kleiner und hat eine tiefschwarze Farbe, kommt wie sein Name vermuten lässt an älteren, besonnt stehenden Buchen vor. Hier frißt die Larve unter der Rinde und geht nur zur Verpuppung, also kurz bevor diese zum fertigen Käfer wird, tiefer in das Holz.

Buchenbock

Im Forstrevier Weingarten kommen neben dem Heldbock auch sehr häufig der Hirschkäfer vor. Die Lebensweise ist ähnlich wie die des Heldbocks auch der Hirschkäfer lebt als Larve ungefähr vier jahre im Holz. Je nach Witterung kommen bereits Ende April die Fertig entwickelten männlichen Käfer und zwei Wochen später die Weibchen aus den Eichen geklettert. Die Weibchen legen nach der Paarung die Eier wieder an Eichen und der Kreislauf beginnt von vorne. Die Hirschkäfer ernähren sich leckend von ausfließenden Baumsäften.

Hier ein Hirschkäfer-Weibchen. Diese werden gerne mit dem "Balkenschröter" verwechselt. Dieser Käfer ist aber deutlich kleiner und durchgehend mattschwarz.

Hirschkäfer-Weibchen

 

Hirschkäfermännchen, typisch ist sein "Geweih" das nur dazu dient gegnerische Hirschkäfer zu umklammern und am besten noch vom Baum(seinem Territorium) zu werfen.

Hirschkäfer-männchen

 

Sehr oft werden nur noch die Köpfe mit den Zangen gefunden, die weichen Körperteile wurden dann meist von Vögeln herausgepickt und das harte Citin(Kopf, Flügeldecken und Zangen) bleiben übrig. Gerade im Gemeindewald Weingarten in denen die passenden Lebensräume für den Hirschkäfer optimal sind, kommt diese Art sehr häufig vor. Dementsprechend oft können dann auch entlang von Waldwegen diese Reststücke gefunden werden.

Hirschkäfer-Geweih-Weg

 

Ein Vergleich zum Schluss:

An unseren heimischen Stiel- und Traubeneichen kommen bis zu ca. 800 Arten vor.

An Platanen(Begleitbaum entlang von Straßen und selten im Wald zu finden) fühlen sich nur ca. 4 Arten heimisch.

 

Das alte Buchentor im Distrikt Waldersteig.

das alte Buchentor