Historisches

An der unmittelbaren Nahtstelle von Kraichgau und Oberrheinischer Tiefebene, von der Natur getrennt durch die Badische Bergstraße, liegt die heute mehr als 1000 Jahre alte Weinbaugemeinde Weingarten.

Der Name der Gemeinde ist der Überlieferung nach aus der Anlage von einem Weingarten mit Reben entstanden. Der Codex Edelini spricht von "Wingarte ultra renu", übersetzt lautet es "Weingarten jenseits des Rheines". Weingarten dürfte nach neuesten Erkenntnissen wesentlich älter sein, da man Gräber aus der Merowingerzeit fand. Vom 13.-14. Jahrhundert war Weingarten im Besitz der Herren von Schmalenstein, einem alten Rittergeschlecht, an dessen früheres Wasserschloss heute noch der Rest einer Burgruine erinnert. Ein Hügelgräberfeld mit ca. 50 Keltengräben, das im Jahre 1897 im Gewann "Dörnig" entdeckt wurde und das nach Meinung des Landesdenkmal amtes von 1993 ursprünglich aus mehr als 100 Hügeln bestanden haben dürfte, erinnert noch heute an eine einst keltische Besiedlung. Einzelne Gräberfundstücke waren erhalten und befinden sich im Landesmuseum in Karlsruhe. Die Gräber stammen aus der Hallstatt- und früheren Latène-Kultur, also aus der Zeit von 1500 - 500 v. Chr. Bei der Kiesgewinnung im Weingartener Baggersee fand man einen Mammutzahn, der gut erhalten ist und als Leihgabe an ein Karlsruher Museum gegeben wurde. 1214 wurde Weingarten Eigentum der Pfalzgrafen bei Rhein, einer Linie des Hauses Wittelsbach.

Die Weingartener Gewannnamen sind bleibende Zeugen einer wechselvollen, bewegten, aber traditionsreichen Weingartener Geschichte. Hierzu gehört z.B. eine germanische Thingstätte, die auf einer kleinen Anhöhe, dem "Stalbühl", im Bereich des Naturschutzgebietes "Weingartener Moor", errichtet wurde. Das Naturschutzgebiet "Weingartener Moor", in dem mit Unterbrechung bis zum Jahr 1920 noch Torf gestochen wurde, ist ein Überrest des Kinzig-Murg-Stromes der Urzeit. Durch ihn sind im Laufe der Jahrtausende die Oberrheinische Tiefebene, deren Sand- und Kiesbänke, aber auch Moorlandschaften entstanden. Das "Weingartener Moor" ist heute ein Biotop für seltene Tier- und Pflanzenarten, die teilweise vom Aussterben bedroht sind.

Die heutige Bundesstraße 3 wurde in der Römerzeit als Heeres- bzw. Nachschubstraße für die römischen Legionen angelegt und später als Handelsstraße genutzt. Als Zollstation zwischen Bruchsal und Durlach diente das „Werrenhäusle“, das auf Grötzinger Gemarkung stand. Hier wurde der baden-durlachsche Landzoll erhoben. In Weingarten hingegen musste der kurpfälzische Zoll entrichtet werden. Das kurpfälzisch herrschaftliche Zollhaus stand bei Staffort am Ausgang des Dorfes nach Büchenau.  

Zur Beobachtung der Straßen, die zu den Nachbargemeinden führten, wurde 1589 der Wartturm auf dem Turmberg erstellt. Durch seinen idealen Standort ermöglichte er eine ständige Beobachtung der Gemeindegrenzen. In ihm wurden kurpfälzische Geleitmannschaften untergebracht. Heute ist der Turm ein Weingartener Wahrzeichen.

Ein seltenes Bild zeigen die zwei friedlich nebeneinander stehenden Kirchen im Ortsmittelpunkt von Weingarten. Christen in Weingarten verhielten sich stets ökumenisch und benutzten viele Jahrhunderte eine Simultankirche. Erst als beide Konfessionen die notwendigen Mittel hatten, kam es zum Bau neuer Kirchen. Mittlerweile haben sich 8 Religionsgemeinschaften in Weingarten etabliert.

Die kurpfälzische Weinbaugemeinde Weingarten wurde in ihrer tausendjährigen Geschichte mehrfach zerstört und die Dorfbevölkerung durch Seuchen, Frondienste, Krieg und Brandstiftung immer wieder schwer in Mitleidenschaft gezogen. Als kurpfälzische Exklave, an der Pforte zur Markgrafschaft Durlach gelegen, war es um Weingarten nie besonders gut bestellt. Dies änderte sich erst mit der Neuordnung des alten Reiches durch den Reichsdeputationshauptschluss, durch den alle kurpfälzischen und im Adels- sowie Kirchenbesitz befindlichen Orte des Kraichgaus der Markgrafschaft Baden-Durlach, dem späteren Großherzogtum Baden, zugeordnet wurden. Für Weingarten begann damit eine Zeit des wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegs. So wurde bereits im Jahr 1823 die Marktbrücke erbaut und als ortsprägende Brücke dem Ortsmittelpunkt angepasst. Das Walk'sche Fachwerkhaus (aus dem Jahre 1701) prägt heute, ansprechend restauriert, mit dem offenen Lauf des Walzbachs, dem Rathaus aus dem Jahre 1901 und den beiden Kirchen den Ortsmittelpunkt in bewundernswerter Harmonie. Die Bahnhofstraße wurde zu einer einladenden Wohn- und Geschäftsstraße mit Radwegen und Grünzonen, unter teilweiser Beibehaltung des offenen Bachlaufs, ausgebaut. Mit der Sanierung der historischen Marktbrücke, des Marktplatzbereiches und der Ufermauern entlang des offenen Walzbaches zwischen der Marktbrücke und der Hartmannsbrücke (Einlaufbauwerk) wurde auch die Ortsmitte noch attraktiver gestaltet. Bereits 1986 konnte dieser Bereich im Rahmen des Wein- und Straßenfestes seiner Bestimmung übergeben werden.

Die Weingartener Bevölkerung ist sich in besonderem Maße des historischen Ortsbildes bewusst. Durch ein beispielhaftes Engagement von Gemeinderat und Bürgerschaft konnte eine Vielzahl sehr schöner Fachwerkhäuser restauriert werden und der Nachwelt erhalten bleiben. Mit den Mitteln des Landessanierungsprogrammes, in das Weingarten 1987 aufgenommen wurde, war für die kommenden Jahre ein kräftiger Impuls zur Fortführung der Ortsverschönerung und Attraktivitätssteigerung gegeben.

Das historische Rathaus wie auch viele in Privatbesitz befindliche Anwesen wurden inzwischen oder werden mit Fördermitteln saniert. Im Oktober 1992 konnte die "Lepp-Passage" als Herzstück der fußläufigen Verbindung zwischen Durlacher Straße/Hirschstraße über den Schulhof zur Bahnhofstraße und dem neuen Marktplatz im Rathausinnenhof seiner Bestimmung übergeben werden. Der Mittelpunkt, d.h. die Rathausplatzbebauung mit der Errichtung eines Wohn-, Geschäfts- und Parkhauses, der Neubebauung neben dem Rathaus (ehemaliges "Lamm-Eck") und der Anlage des Rathausplatzes konnte im Juni 2000 mit einem großen Bürgerfest eingeweiht werden.

Grüne Lungen innerhalb der Wohnbebauung erhöhen den innerörtlichen Wohnwert und tragen zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Zahlreiche Rad- und Wanderwege durchziehen den 1000 ha großen Wald, der einen Schutzgürtel um Weingarten bildet. Auf ca. 100 ha, insbesondere in den bekannten Anbaugebieten Katzenberg, Petersberg und Löwental, wird ein exzellenter Wein angebaut, der durch die örtliche Winzergenossenschaft vermarktet wird.

Durch Partnerschaften mit der Gemeinde Liverdun (Frankreich) im Jahre 1979 und der Gemeinde Olesa de Montserrat (Spanien) im Jahre 1983 bemüht sich die Gemeinde Weingarten, ihren Teil zur europäischen Verständigung und Einigung beizutragen.

Mit der Fertigstellung der Unterführung Kärcherhalle im Jahr 2001 wurde gleichzeitig auch der Startschuss für die Neugestaltung des Umfeldes am Bahnhof gegeben. Es sind neue Parkplätze für Park+Ride entstanden; die Bahnsteige wurden behindertengerecht umgebaut und erhielten gleichzeitig eine zeitgemäße Ausstattung. Im Juni 2002 konnte die neue CARIX®-Wasseraufbereitungsanlage in Betrieb genommen werden. Bei diesem Verfahren werden unerwünschte Inhaltsstoffe mit Hilfe eines Ionentauschers aus dem Trinkwasser entfernt. Durch die Aufbereitungsanlage kann der Nitratgehalt und der Härtebereich des Wassers verringert werden, was zur Folge hat, dass der Verbrauch an Wasch- und Spülmittel reduziert wird und die Verkalkung an Armaturen nur noch in geringem Ausmaß stattfindet.

Weingarten bietet viele Einrichtungen für Kinder und Jugendliche an, wie z.B. die flexible Kernzeit- und Nachmittagsbetreuung. Ebenso findet jedes Jahr eine Betreuung von Kindern in den Schulferien statt. Daneben gibt auch das im Jahr 2004 in Weingarten gegründete Familienzentrum Gelegenheit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern. Für Kinder ab 7 Jahren und Jugendliche öffnet der Jugendtreff mit verschiedenen Angeboten täglich seine Türen.

Eine lange und intensiv geführte Diskussion über den Einsatz regenerativer Energien hat mit Inbetriebnahme einer auch vom Land Baden-Württemberg geförderten Holzhackschnitzelanlage im Jahr 2004 ihren Abschluss gefunden. Mit dieser modernen Anlage wird nicht nur die örtliche Grund-, Haupt- und Werkrealschule, sondern es werden alle Gebäulichkeiten des Rathausplatzes umweltfreundlich beheizt.

Angesichts einer sanierungsbedürftigen Walzbachhalle und eines maroden Freibades sowie eines seit längerer Zeit bestehenden Mangels an Raumkapazitäten für Sport- und Kulturvereine, hat der Gemeinderat am 19. April 2004 im Rahmen des Kommunalen Handlungs- und Entwicklungsprogramms Maßnahmen beschlossen, die auf einer seriösen Finanzierung durch Beschaffung von Einnahmen aus der Veräußerung von gemeindeeigenem Baugelände basierten.

Unter anderem wurde festgelegt, das Freibad dem bestehenden Hallenbad in zwei Stufen anzugliedern.

Die Fertigstellung der ersten Stufe, nämlich die Errichtung eines Nichtschwimmer- und eines Kinderplanschbeckens sowie einer Außenfläche mit Beachvolleyballfeld, Spielgeräten und einer Tischtennisanlage konnte schon im Juni 2006 mit der Einweihung gefeiert werden. Die beheizten Außenbecken und der Zugang zum Schwimmerbecken im Hallenbad garantieren nun einen ganzjährigen Betrieb. In der zweiten Stufe wurde ein weiteres Schwimmerbecken im Außenbereich hergestellt.

Das stufenweise Vorgehen hat den Vorteil, gleichzeitig auch die sanierungsbedürftige Walzbachhalle in einem ersten Schritt zu modernisieren.

Die vorerst bis zum Jahre 2010 zurückgestellte Entscheidung über den Bau einer neuen Sporthalle bei der Walzbachhalle konnte insofern revidiert werden als im Jahre 2005 in Form eines Public Private Partnership Projektes in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Ringerverein SV Germania 04 der Neubau der ebenfalls maroden Germania-Halle beschlossen wurde. Hier entstand ein neues Sport- und Kulturzentrum, das die Raumproblematik der örtlichen Kultur- und Sportvereine löste.

Aufgrund der zunehmenden Verkehrsbelastung wird schon seit längerem eine B 3-Umgehung für erforderlich gehalten. Im Sommer 2004 wurde diese allerdings aus dem Bundesverkehrswegeplan herausgenommen. Es ist nun vorgesehen, in einem ersten Schritt die Beseitigung des Bahnübergangs "Häcker" zu realisieren. Mit Hilfe einer Verkehrsuntersuchung wird festgestellt, ob hier eventuell auch eine größere Lösung (Südumfahrung) angestrebt werden sollte. In einem weiteren Schritt soll dann die Realisierung des verbleibenden Teils der südlichen Umgehung bis zur B 3 als Landesstraßenmaßnahme untersucht werden.